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07-09-2007 18:27
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Pariser Vertrag 1946
@ Matteo G. C., 1. Ich glaube nicht, dass ich in meinem Beitrag dem italienischen Aussenminister de Gasperi direkt eine faschistische Gesinnung unterstellt hätte.Das gilt vielmehr für die Menschen in Italien im Staatdienst, die über die Nacht das Parteibuch damals ausgetauscht haben. Das war damals vieleicht so, wie beim Umbruch in Osteuropa nach 1989 als plötzlich aus Kommunisten, die durch die Wende viel zu verlieren befürchtet haben, bekennende Demokraten geworden sind. Seine Biographie ist mir in groben Zügen bekannt, daher weiss ich, dass er kein "schwarzes Hemd" der italienischen Faschisten getragen hat. Er war auch ein Alt-Österreicher aus Welsch-Tirol, Heute Trentino, daher hätte er wissen müssen Augrund seiner Biographie, welche Rechte die Italiener in k.u.k. Österreich bis 1918 gebabt haben, verglichen mit den Rechten der Südtiroler in Italien nach 1918 bis 1943 und danach. Als Aussenminister der Republik, die er in den Verhandlungen mit Gruber zu Südtirol-Autonomie in Paris 1946 vertreten hat, musste er klarerweise seinen privaten Standpunkt bei diesen Fragen zurückstellen. Immerhin hat man ihn später in Italien beschuldigt, dass er de Gasperi die Südtirolfrage durch seine ungeschickten Formulierungen im Pariser Vertrag selbst internationalisiert hatte, da es in diesem Autonomievertrag ausdrücklich so festgehalten worden ist, das die UNO in aller Zukunft in allen Streitfragen zwischen Italien und Österreich bezüglich der endgültigen staatlichen Staatszugehörigkeit von Südtirol und in anderen Streitfragen als Schiedsinstanz zwischen diesen beiden Staaten vorgesehen ist. Daher ist Südtirol nach 1946, d.h. auch Heute und in der Zukunft keine reine innerpolitische Angelegenheit Italiens mehr, wie zwischen 1918 und 1943 ( später bis 1946 von den Deutschen und von den Amis besetzes Land), sondern ein Subjekt des Völkerrechts und zwar mit der Republik Österreich an der Seite als Schutzmacht der völkerrechtlichen Interessen Südtirols. Das gilt nich nur Heute, sondern auch in der Zukunft. 2. Was die Nazi-Vergangenheit Österreichs betrifft, so unterscheidet sich diese nicht wesentlich von der in Südtirol zwischen 1943 und früher bis Mai 1945. Die Menschen, die damals in Österreich gelebt haben, haben mir das so erklärt: beim Einmarsch der Deutschen in Östereich 1938 war ein Drittel der Menschen dafür, ein Drittel dagegen und der Rest hat das hingenohmen, was gerade geschehen ist. Nach 1938 merkten die meisten Österreicher, wie sehr sie sich von den Deutschen aus dem "Altreich" mental und sprachlich unterscheiden, vor allem deswegen, weil die Reichsdeutschen sich in der "Ostmark", wie in einem eroberten Land als Kolonialherren benahmen und nach der Niederlage der Deutschen bei Stalingrad ist dann diese Stimmung gegen Deutschland endgültig gekippt. In Österreich hat es während des Krieges einen nennenswerten Widerstand und Partisanenkrieg gegen die Herrschaft der Nazis in Kärnten, in der Steiermark und im Salzkammergut gegeben.Gegen Ende des Krieges ist das Inntal in Tirol vom österr.Widerstand von den Nazis zur Gänze befreit und den Amerikanern übergeben worden. Bei damals über 7 Millionen Bevölkerung in Österreich sind ca 50 Tasend nicht jüdische Österreicher wegen ihrer politischen Gesinnung, Sozialdemokraten, Kommunisten, Chrisdemokraten, Monarchisten etc. in die Kz-s verschickt oder ermordet worden. Die meisten Juden konnten sich noch vor und nach 1938 ins Ausland in Sicherheit bringen, da die Nazis um dieses Jahr herum noch nicht die Endlösung der Judenfrage betrieben haben, was aber später an der Vernichtung von einem Drittel der noch verbliebenen Juden in Österreich nichts geändert hat. Die Republik Österreich kann man dafür niemals verantwortlich machen, da diese 1938 international im Stich gelassen wurde und vom Nazismus ausgelöscht worden ist. Die Erste Österr. Republik ist lange Zeit gegen Berlin von Italien damals unterstüzt worden. Die Österreicher haben das hingenommen, wie sich der ertrinkende an jeden Strohhalm hält. Schliesslich hat Mussolini Österreich mit dem Bundeskanzler Schuschnigg fallen lassen, als Gegenleistung hat er das Land Südtirol vom Führer des Dt. Reiches "geschenkt" bekommen, ein Land das ihm nie gehört hat. Die österreichischen Patrioten sind nach dem Anschluss von den deutschen Besatzern genauso grausam behandelt worden, wie die südtiroler Patrioten von den italienischen Faschisten. Sogar der Name Österreich wurde verboten und so wurde aus Nieder- und Oberösterreich Ober- und Niederdonau und aus Südtirol in Italien Alto Adige, also Ober-Etsch. Die Österreicher im Vaterland und in Südtirol haben diese Zeit mit vielen Wunden überstanden und ihre Lehren daraus gezogen. Die Entnazifizierung hat in Österreich bis cirka 1949 gedauert und den davon betroffenen Menschen ist in Österreich damals ohne Übertreibung sehr schlecht gegangen. Der Kalte Krieg, spätestens ab 1949 machte vieles an der Verfolgung dieser Politik unmöglich, da man im Westen Europas, auch die ehemaligen Nazis für den Kampf gegen die kommunistische Bedrohung gebraucht hat. 3. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung vor allem an der Küste in Istrien und Dalmatien war vor 1945 italienischer Herkunft. Bei der Ziehung der neuen Grenzen aus der Konkursmasse der Österr.-Ung. Monarchie nach 1918 hat man trotzdem eine Vorgangsweise gewählt, die das Selbstbestimmungsrecht der Slawen in diesen Gebieten, genauso wie das der Südtiroler vergewaltigt hat. Das beste Beispiel dafür war die Stadt Fiume/Rijeka mit Umland, wo die absolute Mehrheit nicht italienisch war. Hätte sich das Königreich Italien damals 1919 bei der Grenzziehung zu Kgr. Jugoslawien nur auf die rein italienischen Gebiete beschränkt, würde Heute die Provinz Triest wohl bis Rovigno und Pola reichen, auch wenn solche Denkweise in der Deutung der Geschichte in Konjunktiv unzulässig ist. Die vertriebenen oder geflohenen Kroaten oder Slowenen konnte man ersetzen, die vertriebenen Italiener nicht, da man sie fast alle pauschal ohne Ansehen der Person der Heimat gewaltsam beraubt hat. Wer Heute entlang der Küste in Istrien reist, findet überall alte italienische Städte und Dörfer und Landschaften ohne Italiener vor. In ihren Häusern leben jetzt andere zugewanderte Menschen, die eine andere Sprache sprechen. Die Zeit heilt vieleicht viele Wunden, es ist totzdem ein unwiederbringbarer Verlust nicht nur für die italienische Kultur, sondern auch für uns alle in Europa. Man darf die Menschen aus welchem Grund auch immer, nicht wie ein Vieh aus der angestammten Heimat vertreiben und alles das zerstören, was sie über Tausende von Jahren in unzähligen Generationen aufgebaut haben, oder zur freiwilligen Absiedlung in der sog. "Option", wie im Falle von Südtirol bis 1943 freigeben. Dadurch hat das Land über 70 Tausend Menschen für immer verloren, die Südtiroler Heimat ist aber Gott sei Dank uns allen erhalten geblieben, auch für die neuen Zuwanderer mit der Zeit zu ihrer Heimat geworden, sei es Italiener oder andere Menschen, die hoffentlich das Recht auf Selbstbestimmung in Südtirol in Zukunft respektieren werden. Soviel zu Geschichtsdeutungen in meinen Beiträgen und ev. vorgekommenen Unklarkeiten, die ich nun ausführlich geklärt wissen möchte .
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