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07-09-2007 11:18
 
Pariser Vertrag 1946
Ich möchte in diesem Zusammenhang an die Petition der Südtiroler aus dem Jahre 1946 in Innsbruck erinnern, fast von allen Südtirolern unterschrieben, und zwar an den damaligen österreichischen Bundeskanzler Leopold Figl, in der die Selbstbestimmung für Südtirol und die Tiroler Einheit gefordert wurden. Der damalige BK Österreichs wurde ein Jahr zuvor aus einem KZ der Nazis befreit, wo er aufgrund seiner Österreich-patriotischen Gesinnung eingesperrt worden war. Sein Aussenminister Gruber, auch damals den Allierten bekannt als führende Person des antifaschistischen Widerstandes in Tirol, musste daher buchstäblich mit den über Nacht von Faschisten zu Demokraten gewordenen Italienern über die Südtirol-Frage in Paris verhandeln. Es ist weitgehends bekannt, dass die Engländer und die Franzosen damals die Selbstbestimmung für Südtirol befürworteten, die Amerikaner hingegen nicht und gerade sie hielten dieses Land Tirol südlich des Brenners damals besetzt und konnten sich daher mit ihrem Standpunkt durchsetzten. Nord- und Osttirol gehörten der französischen Zone an. Bei der Landung auf Sizilien haben die Amerikaner schon einen fertigen Plan für Italien in der Tasche gehabt und in diesem Plan war wenig Platz für die Selbstbestimmung Südtirols, da man "Gemeinsame Sache im Zeichen der Verschwiegenheit" zur Befriedung der Lage in Italia mit besonderen diplomatischen Mitteln betrieben hat. Sie handelten damals wie Heute nach der Devise, wir Amerikaner wissen mit wem wir hier in Italien zu tun haben, übersetzt aus dem Englischen, "Es sind Schurken, aber es sind unsere Schurken, die wir in der Tasche haben und nur wir lassen die Puppen tanzen, wann und wie auch immer wie es wollen und wie es gerade uns gerade in den Kram passt und dies unseren Interessen nützlich ist." Aus dieser Lage heraus musste damals das Opferland des II. Weltkrieges Österreich mit dem Verursacher des Krieges Italien über die Rechte der Südtiroler verhandeln.Österreich war damals vierfach besetzt und nur begrenzt souverän und aussenpolitisch wirklich handlungsfähig, erst nach dem Staatsvertrag 1955 gewann Wien an aussenpolitischen Gewicht in der Aussenpolitik in der Welt. In Istrien und Dalmatien hingegen haben 1945 die Jugo-Partisanen das Gesetz des Handelns gewählt und innerhalb kürzester Zeit diese Gebiete mit vorwiegend slawischer Bevölkerung in Istrien und Dalmatien vom italienisch- faschistischen Spuk befreit und kurzfristig sogar die Stadt Triest besetzt. Diese Gebiete waren damals genauso wie Heute Südtirol die italienische Kriegsbeute nach dem I. Weltkrieg, manche meinen der Judaslohn für Verrat und Betrug an den damaligen Bündnispartnern. Nach dem II. Weltkrieg hat man bei den Allierten beschlossen, um das Tito-Regime nicht zu verärgern eine gerechtere ethnische Grenze zu ziehen und schweigend hingenommen, dass Hunderttausende Italiener aus Dalmatien und Istrien nach Italien vertrieben worden sind. Die Umstände dieser Enteignung und Vertreibung waren äusserst grausam und unmenschlich mit Abertausenden von Todesopfern, aber man darf dabei nicht vergessen, dass am Beginn dieser Gewaltspirale in diesem teil Europas der Duce-Faschismus gestanden ist. Letztenendes waren es aber nicht in erster Linie die Faschisten, sonder einfache Menschen, die die Rechnung für diese Wahnpolitik des Duce Mussolini bezahlen mussten. Nicht anders als die Südtiroler, denen Italien damals bei den Allierten die Option für das Dt. Reich 1939-43 vorgeworfen hat und gemeint hat, nach dem italienischen Staatsbürgerschaftsgesetz gäbe es in Südtirol nicht 95% deutschsprachige Südtiroler, sondern nur etwa 15%. Die Opfer der beispiellosen italienischen faschistischen Unterdrückung bis 1943 sind daher ein weiteres Mal zum Ofer der üblen diplomatischen Machenschaften Roms und um ihr Recht auf Selbstbestimmung gebracht worden, diesmals in der Zeit einer scheinbar demokratischen Regierung. Diese Geschichte ging nach 1946 weiter und zwar im Zeichen der munteren Fortsetzung der Italianisierung Südtirols, als ob der italienische Faschismus nie aufgehört hätte zu existieren, wo bekanntlich diese Politik von den alten und neuen italienischen Faschisten in allen italienischen Ämtern mit einem neuen Parteibuch betrieben worden ist. Ein Wendepunkt der Geschichte Südtirol sehe ich bei der Massenversammlung der Südtiroler auf der Burg Sigmundskron 1957, als sich dieses Land damals nur knapp vor einer ernsthaften Krise befunden hat und nur mit grosser Mühe eine Eskalation von der Landespolitik verhindert worden ist. Aus diesen Ereignissen der 50-er Jahre hat man wie immer in Bolzano und in Roma nichts gelernt. Die weitere Geschichte des Südtiroler Widerstandes gegen Italianisierung und Unterdrückung des Selbstbestimmungswillens eines ganzen Volkes in den 60er Jahren ist weitgehend bekannt. Auf die jahrzentelange Nichteinhaltung des Autonomieversprechens Italiens im Pariser -Autonomie Vertrag von 1946 antworteten manche Südtiroler mit Sachbeschädigungen, da es sich bei der Feuernacht 1961 zuerst einmal nur um Gewalt gegen Symbole gehandelt hat. Darauf antwortete Italien mit militärischer Pazifizierung des ganzen Landes, wie wir das aus den 90-er Jahren aus dem Land Kosovo im Konflikt zwischen Serben und Albanern kennen. Dank diesem Widerstand wurde letztenendes die Autonomie in heutiger Form hier eingeführt. Daher es klingt für mich paradox, die wenigen mutigen "Puschtra Buibm" haben vieleicht das erreicht, was ein Strom an Diplomatenschweiss in Jahrzehnten nicht geschafft hat. Die Heute vorhandenen und auch gelebten und genutzten, oder noch nicht ganz durchgesetzten Autonomierechte der 3/4 Südtiroler Mehrheit im eigenen Land verdankt man daher in erster Linie dem Leid und Blutopfer dieser mutigen Männer und Frauen von damals, die bereit waren für die eigene Heimat die höchsten Opfer zu bringen. Genauso wie auch im Jahre 1809 in Tirol beim Freiheitskampf der Tiroler unter Andreas Hofer gegen die Fremdherrschaft der Bayern, Franzosen und Italiener dies auch der Fall war. Den 200. Jahrestag dieser Tiroler Volkserhebung für Freiheit und Selbstbestimmung werden wir in 1,5 Jahren zu feiern beginnen. Ich persönlich würde mir wünschen, dass bei dieser Gelegenheit von den Menschen in Südtirol wiederholt und unmissvererständlich der Wunsch nach Selbstbestimmung des Landes bei vielen Anlässen geäussert und auch sichtbar für die Aussenwelt gezeigt wird. Das Recht auf die eigene Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht und verjährt nicht, solange die vom Unrecht der Fremdbestimmung betroffenen Menschen einer Volksgruppe in ihrer absoluten Mehrheit dies auch so sehen. Der Autonomievertrag von Paris 1946 war daher nur der Anfang dieses langen Weges zur Erlangung der vollen Handlungsfreiheit in der Selbstbestimmungsfrage Südtirols.
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Markus A.
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