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„Benvenuti a Avelengo – Merano 2000“ – Wo bleibt die deutsche Sprache?

benvenuti_a_avelengo.jpgAls sprachliche und kulturhistorische Selbstaufgabe, bezeichnet der Landesjugendsprecher der SÜD-TIROLER FREIHEIT, Sven Knoll, das vom Tourismusverband Hafling, an der Kreuzung nach Falzeben angebrachte Transparent, mit der rein italienischsprachigen Aufschrift: „Benvenuti a Avelengo – Merano 2000".

Angebracht wurde dieses Transparent wohl anlässlich des Besuches des Serie B Fußballvereins „U.S. Grosseto", welcher derzeit in Hafling gastiert, da auf dem Transparent auch ein kleines Wappen dieses Vereins abgedruckt ist.

Nichts desto trotz, ist damit jedoch nicht zu rechtfertigen, dass in einer Gemeinde wie Hafling, mit einem deutschsprachigen Bevölkerungsanteil von fast 98%, der historisch gewachsene deutsche Ortsname einfach weggelassen wird, stattdessen aber der vom Faschismus eingeführte Falschname „Avelengo" alleinige Verwendung findet.

Da es offenkundig nicht ersichtlich ist, dass es sich bei diesem Transparent um eine spezielle Begrüßung der Spieler handelt, kann dieses von den vorbeifahrenden Autofahrern auch nur als typischer Willkommensgruß interpretiert werden, wie er am Ortseingang aller Tourismusorte anzufinden ist.

Den Tausenden von Touristen, die tagtäglich in das Wandergebiet Meran 2000 fahren, aber auch den Spielern des „U.S. Grosseto", wird mit diesem Transparent daher einmal mehr das völlig falsche Bild eines vollkommen italienischsprachigen Süd-Tirols vermittelt.

Es ist ein Irrglaube der Tourismustreibenden, dass die italienischen Gäste ausbleiben würden, wenn Süd-Tirol auf den Gebrauch der faschistischen Falschnamen verzichten würde. Ganz im Gegenteil!

Die italienischen Gäste, die nach Süd-Tirol kommen, schätzen gerade die Eigenheit des Landes, die so typisch unitalienisch ist, was nicht zuletzt auch durch die Ortsnamen unterstrichen wird.

Dies Beweisen auch Marktstudien, welche ergeben haben, dass beispielsweise der Begriff „Süd-Tirol" bzw. „Sud-Tirolo", bei Italienern viel mehr positive Assoziationen weckt (und somit besser zu vermarkten ist), als das faschistische „Alto Adige".

Es wäre daher wünschenswert, wenn sich die Süd-Tiroler Tourismusdestinationen ihrer Verantwortung, aber auch ihrer positiven Einflussmöglichkeit bewusst würden und endlich mehr Mut zur Verwendung der historisch gewachsenen Orts- und Flurnamen an den Tag legen würden.

Bei allem Verständnis für die Arbeit der Tourismusbetriebe, darf die Identität des Landes nämlich nicht für ein vermeintlich schnelles Geschäft verscherbelt werden.

Sven Knoll
Landesjugendsprecher der
SÜD-TIROLER FREIHEIT
und Gemeinderat in Schennabenvenuti_a_avelengo.jpg

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26 Kommentar(e)

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@Seeland

Ich stimme ihnen eigentlich überall zu. Ich habe nichts gegen den Erhalt der deutschen Ortsnamen und der deutschen Sprache in Südtirol. Dass die Ortsnamen nach Grenzverschiebungen wechseln ist keine italienische Besonderheit. Tenda heisst nun Tende und Pola Pula.
Es mag sein, dass Tende und Pula im Gegensatz zu Avelengo früher schon gebraeuchlich waren. Das waere natuerlich ein starkes Argument.

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@ Stefan R. 2)
"Sprache entwickelt sich"

Das bezweifelt ja auch keiner. Doch in diesem Fall (Tolomeis Ortsnamen) handelt es sich nicht um natürlichen Sprachwandel -innerhalb- einer Sprache, sondern um ein Mittel zur gezielten Bekämpfung (bzw. Auslöschung) einer bestimmten Sprache (Deutsch), einer politischen Aktion, die sogar so weit ging, daß damals nicht nur die Sprache selbst verboten wurde, sondern auch Orts- und Flurnamen komplett verändert wurden. Das ist kein natürlicher Prozess von Sprachwandel (z.B. Anglizismen im Deutschen), sondern eine politische Handlung. Diese erfordert auch eine politische Reaktion und eben eine ethisch-moralische Bewertung.

"nicht jeder Sprecher hat die gleiche Macht, Sprache zu prägen und zu verändern. Dante oder Goethe waren damit überdurchschnittlich ausgestattet."

Hmm... Naja. Wieviele Leute konnten denn zu Dantes oder Goethes Zeiten denn lesen und schreiben? Es handelt sich hier allein um die gebildete Oberschicht. Die Unterschicht (= Großteil) sprach sicher anders. Außerdem sind Dante und Goethe nicht Tolomei oder ähnliche Konsorten. Wenn Elemente der Literatursprache (z.B. Redewendungen) in die Alltagssprache übernommen wurden, dann doch nicht unter Zwang!!(Außerdem doch wohl in die Muttersprache!)

Medienkonzerne und Filmindustrie mögen heute sprachprägend sein (Anglizismen), aber die Propagandaapparate in totalitären Systemen funktionieren doch anders.

Was du sagst über "oben" und "unten", "Knoten" etc. - ist auch nicht ganz richtig - denn natürlich können ein paar wenige von oben was einführen. Ob es dann tatsächlich in die Alltagssprache übernommen wird, von den "unteren" gesprochen wird, ist wieder eine andere Sache und sehr zu bezweifeln. Das funktioniert meist nur unter massivem politischen/gesellschaftlichen Druck und in Südtirol zudem durch die Ansiedlung von italienischen Sprechern. Dieser muß verurteilt werden.

Was du vielleicht meinst ist, daß sich die italienischen Ortsnamen (für manche)schon so im Bewußtsein festgesetzt haben, daß sie "normal" klingen, und es "künstlich" wäre, sie abzuschaffen. Ob das tatsächlich der Fall ist, wage ich zu bezweifeln.

Und: Wie gesagt, wir reden hier nicht von natürlichem Sprachwandel innerhalb einer Sprache, sondern von -Sprachwechsel- mithilfe von Sprachpolitik und Sprachplanung, mit dem ursprünglichen Ziel der Auslöschung einer Sprache. Wieso ist ein dem entgegenwirkender Spracherhalt faschistoid?!

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Gib dem Faschismus keine Chance!
Diese Namen wurden für politische Täuschungszwecke erfunden und sind von einer Diktatur aufgezwungen worden.

Da gibt es kein Wenn und Aber.
Sie müssen abgeschafft werden.

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1) Mit "independistische Haltung" meine ich, das Bevorzugen einer Sezession der Autonomen Provinz Bozen aus Italien.

2) Nö, wieso? Sprache entwickelt sich und nicht jeder Sprecher hat die gleiche Macht, Sprache zu prägen und zu verändern. Dante oder Goethe waren damit überdurchschnittlich ausgestattet. Die Spieler in der Sprachwelt bilden ein Netzwerk. Und nicht jeder Knoten hat die gleiche Anzahl an Verbindungen. Und nicht jede Verbindung laeuft in beide Richtungen. Mit "oben" meine ich viele Verbindungen, mit "unten" wenige Verbindungen. Die groessten Hubs sind die Medienkonzerne, die Filmindustrie...
Jedes Wort und jeder Name wurden irgendwann als erstes verwendet. In Italien ist man übrigens was Sprachenvielfalt angeht sehr viel toleranter als in Frankreich.

Man sollte sich auch die Frage stellen, ob das krampfhafte Bekaempfen der italienischen Namen nicht auch faschistoid ist.

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Tiroler EU-Vertretung
Neuerlich war der neue Tiroler LH Günter Platter aus Innsbruck zu Besuch in Bozen bei seinem (Süd) Tiroler Kollegen in Amt LH Luis Durnwalder. Beide Landsleute äussersten in einer gemeinsamen Presseaussendung nach dem sehr herzlichen Treffen die Absicht in Zukunft auf allen möglichen Ebenen der geteilten Landesteile in Süd-Nord-Ost Tirol sehr eng zusammenarbeiten zu wollen. Dazu sollte auch die noch engere Koordination der gemeinsamen Tirol-Arbeit für das deutschsprachige Land Tirol der beiden Landesregierungen in ihren Vertretungen in Brüssel und direkt bei der EU verstärkt werden. Man darf sich aber wohl fragen, warum bedarf es noch in heutigen Zeiten auf neutralem EU-Boden zwei verschiedene Tirol-Missionen? Die Zusammenlegung beider Aussenstellen der Länder von Südtirol und Bundesland Tirol gerade in Brüssel würde wahrscheinlich sehr viel Mehrnutzeneffekte erzeugen und die dort tätigen Beamten oder Politiker könnten endlich einmal versuchen, gemeinsam gerade bei der EU in den Enscheidungsgremien eine Lobbyarbeit im Sinne der Klärung der Frage der Landeseinheit in Tirol in seinem deutschsprachigen Teil zwischen Salurn und Kufstein zu machen. Die EU-Institutionen werden nicht müde die Europäer ständig zur Zusammenarbeit und zum Zusammenwachsen aufzurufen. Die zwei Tiroler Edelweis-Blumen sind auf dieser bunten Wiese in Europa aber groß genug um wahrgenommen zu werden. Dass Enzian und Edelweiß auf längere Sicht nicht in einem Land wo die Zitronen blühen gut gedeihen kann, müsste auch bekannt sein. Das Zusammenlegen dieser beiden Biotope im Sinne des ethnischen Artenschutzen wäre daher in der EU mehr als angebracht. Anscheinend werden diese Ziele entweder nur oberflächlich in den einzelnen Ländern in Tirol umgesetzt oder gar nicht ernst genommen. Das deutschsprachige Land Tirol muß endlich einmal auch damit beginnen, nicht nur wegen der EU wie bisher und weil es nicht anders geht "von unten" zusammenzuwachsen, sondern diese Aufgabe müsste zur Chefsache der beiden Landesregierungen in Innsbruck und in Bozen erklärt werden. In dieser Frage könnte man mit sogar relativ wenig Aufwand so viel bewegen, wenn man es politisch nur wollte. Sogar ein wiedervereintes Land Tirol in zwei verschiedenen EU Staaten Österreich und Italien könnte einmal eine greifbare politische Realität in Tirol zwischen Salurn und Kufstein werden, wenn man sich diesem Ziel langfristig und kosequent "ganz oben" widmen würde. Das würde aber voraussetzten: eine Demilitarisierung der AP Bozen Südtirol und Abzug des ital. Militärs aus dem Gebiet der AP Bozen hinter die Salurner Klause, wie das seit über 60 Jahren in West-Europa in anderen Autonomien erfolgreich praktiziert wird (z.B. auf den finnischen von ethnischen Schweden bewohnten Aland Inseln in der Ostsee), darüber hinaus eine Übertragung der Südtiroler Sicherheitsorgane der Befehlsgewalt der Landesregierung in Bozen, bzw. Bildung (durch Zusammenfassung der bisherigen Polizeikräfte) von einer der Landesregierung unterstellten Landespolizei, die Bildung eines gemeinsamen Landtages bestehend aus beiden Tiroler Landtagen und schliesslich eine gemeinsame Proporz-Landesregierung (vielleicht nach dem Schweizer Muster) bestehend aus den von beiden Landesregierungen auserwählten Politiker aus Süd-Nord-Ost Tirol. Die Funktion eines neuen Tiroler Landeshauptmanns würde man vielleicht turnusmäßig alle zwei Jahre neu regeln, bzw. den Amtssitz der Über-Landesregierung. Es wäre dazu eine Lösung im Sinne und im Geiste der EU, die mit wenig Aufwand zu bewältigen wäre, dem Gedanken der Landeseinheit sehr weit entgegen kommen würde, keine der Volksgruppen würde länger mehr oder weniger das Gefühl einer permanenten Benachteiligung beklagen und für das Land Tirol und für die beiden EU Länder Italien und Österreich würden sich dadurch noch so viele neue Möglichkeiten der gemeinsamen Kooperation auf allen Ebenen der Gesellschaft gerade in Südtirol und im Bundesland Tirol eröffnen. Leider wird gerade Italien in solchen Fragen aus Prinzip und wie immer zu spät kommen und keine Gelegenheit auslassen wollen, echte hitorische Chancen der Zukunft auch für das eigene Land und Volk gerade in Süd-Tirol auszulassen. Daher darf man in ganz Tirol gerade in dieser Selbstbestimmung freundlichen Epoche keine Zeit auf der Ebene der Landespolitik-en verlieren und gemeinsam in Brüssel in den EU Gremien im Interesse der Landeseinheit politisch zu arbeiten. Die Landeseinheit Tirols ist keine Utopie, sondern kann nur durch Ausdauer und konsquente Zusammenarbeit über die Unrechtsgrenze am Brenner hinaus mit der Zeit auch erreicht werden, wenn das der unverrückbare Wille des Tiroler Volkes in seinem deutschsprachigen Teil sein sollte.

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@Ottokar König

Ein sehr interessanter und gut gestalteter Text, bis auf die Tatsache, dass Bozen nie die Hauptstadt von einem geeinigten Tirol sein kann, diese ist nähmlich schon seit je her Innsbruck und wird es auch immer bleiben.

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@ Stefan R.
1.) Definiere mal "independistisch" - bezogen auf Sprache?! oder Politik? oder was?!

2.) Deine Argumentationsweise ist nicht wirklich schlüssig. Offenbar trennst du ja auch nach den Kategorien "natürlicher" bzw. "künstlicher" Sprachentwicklung, machst dieses Gegensatzpaar erst explizit.

"Daseinsberechtigung":
Neutral betrachtet hat natürlich jedes Wort eine "Daseinsberechtigung", da Sprache "arbiträr und differenziell" ist, d.h., es gibt erst mal keinen logischen Grund, warum ein Ding jetzt "Apfel" oder "xyz" heißt.

Es geht hier aber darum, wie du sogar selber sagst, daß Sprache instrumentalisiert wurde (u. wird) für politische Zwecke. Und hier müssen sehr wohl ethisch-moralische Kriterien angesetzt werden. Das ist auch keinesfalls "naiv".

Würdest du auch sagen, die Sprache des 3. Reiches oder der kommunistischen Regime haben bzw. hatten ihre "Daseinsberechtigung", weil derartige Ausdrücke nun mal in die Welt gesetzt wurden? Man muß diese Art von Sprachgebrauch sehr wohl hinterfragen und einer moralischen Analyse unterziehen!

Durch Sprache sind die Dinge. Sprache erzeugt Realitäten. Wenn es keinen Ausdruck mehr für etwas gibt, hört die Sache irgendwann im Bewußtsein der Sprecher auf, zu existieren. George Orwell hat dies in seiner Dystopie "1984" anhand der totalitären Kunstsprache "Neusprech" (Newspeak) sehr anschaulich gezeigt.

Tolomeis Ortsnamen woll(t)en ebenfalls eine neue, künstlich erzeugte Realität (er)schaffen, die sich hoffentlich nicht nachträglich durchsetzen wird, da wir zum Glück in einer Demokratie leben, in der aufgeklärt werden kann; und eben nicht in einem totalitären Regime, wo womöglich mit extremen Druckmitteln tatsächlich ein Sprachwandel von oben herbeigeführt werden kann. Letzteres aber auch nur bedingt, denn welcher halbwegs denkende Mensch sagte z.B. in der DDR schon wirklich "anti-imperialistischer Schutzwall" für "Mauer", außer unter Zwang? Sprache bleibt eben kreativ und gewachsen.

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@ Ottokar König
Würde der AP Bozen Südtirol die eigene Selbstbestimmung einmal zur Gänze glücken, dann würde sich wahrscheinlich aus heutiger Sicht die Option der Landeseinheit von Süd-Tirol mit Nord- und Ost-Tirol knapp aber noch doch überall in Tirol ausgehen. Die Landesteilung hat schon überall so viele Veränderungen nach sich gezogen, dass wahrscheinlich sehr viele Süd-Tiroler sich den Fortbestand des Landes Südtirol heute wünschen. Allein wegen der Italiener in Südtirol wäre wohl das auch in Betracht zu ziehen, ob ein neues 10. Bundesland, aber vielleicht mit einem gemeinsamen Landtag bestehend aus beiden Tiroler Landtagen, doch die beste Lösung dieses Dilemas wäre. Ausser, man trifft in der gemeinsamen Landesverfassung der Zukunft Vorkehrungen, dass auf dem heutigen Gebiet der AP Bozen neben der deutschen Sprache Italienisch und Ladinisch die Amtsprachen ohne Zeitlimit für immer in Süd-Tirol bleiben, und zwar dort, wo mehr als z.B. 10% der Italiener oder Ladiner leben. Das sind aber nur Träume von unverbesserlichen Optimisten, die Zukunft ist aber immer das, was man daraus als einzelner Mensch und als Gemeinschaft macht, d.h. auch die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler wird einmal politisch möglich sein. Die heutige Realpolitik der Fortsetzung der Teilung wird noch anhalten, so lange vor allem die Landesregierung in Bozen keine Politik der Wiedervereinigung der geteilten Landesteile in Tirol zwischen Salurn und Kufstein macht und in der Frage der Klärung der Selbstbestimmung des Landes von und in Italien überhaupt nichts unternimmt, Europa hin oder her. Heute werden nicht einmal zur Gänze die sich bietenden Chancen und Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Süd-Nord-Ost Tirol auf beiden Seiten genutzt, die dem land Tirol vor allem die EU gebracht hat, seidem auch Österreich auch dabei ist, also seit 1995. Es gibt bis heute keine einzige Tageszeitung, die aus allen Landesteilen tagtäglich über Tirol in Süd-Nord-Ost berichten würde, keinen gemeinsamen Radio oder TV-Sender, keine gemeinsame Tirol-Werbung, keine gemeinsame Tiroler Vertretung in Brüssel, etc. Das geteilte deutschsprachige Land Tirol wächst heute eher "von unten" als "von oben" zusammen. Vielleicht ändert sich das in Bozen einmal, z.B. nach der nächsten LW in ST im Oktober 2008, in Innsbruck weht schon jetzt angeblich ein neuer frischer Tiroler Wind in dieser Frage, eben unter dem neuen LH, der die Belange von Südtirol und die der Landeseinheit viel besser verstehen sollte, hoffen wir es.

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Freiheit für Süd-Tirol!
@Ottokar König
Dann rühr mal kräftig die Werbetrommel in Wien damit endlich mehr Bewegung ins Spiel kommt!
Ps: Mein Favorit ist aber noch immer das 10. Bundesland Südtirol.

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@ Simon
Du hattest Recht. Ich habe zuerst einmal nur an das Wort "Gelbe Fischerei" im Text dieses Themenbeitrags gedacht und mir überlegt, was zum Teufel soll das in Zusammenhang mit einer Eissorte bedeuten. Heutzutage gibt es ja die unglaublichsten Eiskreationen, warum nicht einmal ein Fischereis zum Beispiel. Erst als ich das Bild mit den verschiedenen Eissorten genauer betrachtet habe, habe ich die Erklärung für diese Verwechselung gefunden. Mit "Pesca Gialla" ist wohl die Eissorte "Gelbe Pfirsisch", oder im Deutschen einfach nur "Pfirsich" gemeint. Diese Frucht ist zwar meistens gelb, aber auf Deutsch heisst sie ganz einfach nur Pfirsich, ausser man meint vielleicht damit die Marille (In Deutschland ist das Aprikose), dann meint man unter Umständen damit "Marilleneis", obwohl die Marille auf Italienisch eigentlich "Albicocca" heisst. Ein Besuch in diesem sehr bekannten Eisalon in Bozen lohnt sich bestimmt, sie haben dort ausgezeichnete Eissorten, vielleicht kann man dann den Unterschied im Geschmack zwischen Marille-Pfirsich und der "Gelben Fischerei" (pesca) deutlicher herausschmecken. Zu diesem Thema könnte man in diesem Eissalon fast ein wissenschaftlich-philosophisches Seminar veranstalten, mit freundlicher Unterstützung der Firma T. aus Bozen als Dank für die Gratis-Nachhilfe beim Übersetzten der aktuellen Eissorten und für die Gratis-Werbung.

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Die eine independistische Haltung einnehmenden Teilnehmer setzen in ihren Beiträgen haeufig voraus, mann koenne scharf zwischen natuerlicher und kuenstlicher Sprachentwicklung unterscheiden. Das ist in dieser Rigorositaet sicher anzuzweifeln. Sprache entwickelt sich eben nicht nur von unten nach oben, sondern auch von oben nach unten, auch wenn die Mechanismen der Sprachbeeinflussung im Laufe der Zeit viel maechtiger geworden sind.
Zu behaupten ein Wort habe eine Daseinsberechtigung, weil es "natuerlich gewachsen" ist und ein anderes nicht weil es von einem (vielleicht faschistisch denkenden) Menschen gesetzt wurde, ist schon etwas naiv. Aber ich kann die Sensibilität schon nachvollziehen, weil Südtirol entnationalisiert werden sollte. Und die Sprache war ein Instrument dafuer, in Südtirol und anderswo

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@ Luis
"Anbei ist der Name Hafling 2 x angebracht und 1 x Südtriol."

Der Name "Hafling" erscheint 2x in der E-Mail-Adresse. Sehr repräsentativ ist das nicht, und daher auch kein Argument für Sie.

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Jeder Zwang ist ein Unrecht
Warum muss man nur immer wieder die banalsten Dinge erklären?

Grundsätzlich darf GAR NICHTS übersetzt werden. Orts- und Flurnamen sind Eigennamen und werden NICHT übersetzt.
Schon gar nicht zur Vortäuschung falscher Tatsachen, wie Tolomei es verbrochen hat.
Faschistisch sind diese Namen, weil hier falsche Ortsnamen der Bevölkerung von den Faschisten aufgezwungen worden sind.
Also das sind Namen, die falsch und erfunden sind, die die Bevölkerung nicht wollte und der Staat kein Recht hatte sie jemandem aufzuzwingen.

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Ottokar König

Gedanken über Tirol

Liebe Tirol-Interessierte !

Als regelmäßiger Leser diverser Foren betreffend Tirol/Südtirol habe ich mir einige Gedanken und Zahlenspielereien über das Thema ‚Tirol’ gemacht:

Bei unten stehenden Zahlen, Fakten, Daten habe ich einige Vergleiche angestellt. Diverse Szenarien wurden durchgespielt:

-Österreich/Italien (A/I) mit/ohne Südtirol
-Bundesland Tirol
-Südtirol
-Gesamttirol bei Österreich (deutschsprachiges Tirol ohne Trentino)

Die Daten habe ich großteils aus WIKIPEDIA bezogen, diverse Zahlen wurden leicht auf-bzw. abgerundet, was aber auf die %-Sätze keinen nennenswerten Einfluß hat. Die Ränge beziehen sich auf die österreichischen Bundesländer (9 bzw. 10 – falls Südtirol als eigenes Bld. gezählt würde).

Dieser Vergleich soll keinerlei Wertung beinhalten, er dient lediglich der Veranschaulichung, auf wie wenig Italien ohne Südtirol verzichten müßte und wie viel Österreich mit Südtirol gewinnen würde. In sämtlichen Belangen würde Südtirol bei Österreich viel mehr Gewicht im Staat haben als bei Italien, egal ob als eigenes Bundesland oder als Teil eines (wieder)vereinten Tirol von Kufstein bis Salurn.

Das Trentino habe ich bei meinen Überlegungen nicht berücksichtigt, da sich die Frage einer eventuellen Selbstbestimmung/Wiedervereinigung dort heute nicht mehr stellt.

Sollte ich trotz sorgfältiger Recherche Fehler gemacht haben, so bitte ich, diese aufzuzeigen. Gerne werde ich dann diese berichtigen.

So, nun ans Eingemachte:

Österreich

Einwohner: 8.300.000 (8.795.000 mit Südtirol) + 5,96 %

Fläche: 84.000 km2 (91.400 km2 mit Südtirol) + 8,8 %

Italien

Einwohner: 60.000.000 (59.505.000 ohne Südtirol) – 0,82 %

Fläche: 301.336 km2 (293.936 km2 ohne Südtirol) – 2,45 %

Bei beiden Punkten gewinnt A anschaulich, verliert I nicht nennenswert.

Einwohner

Tirol: 705.000 = 8,49 % von A = Rang 3 von 9 Bundesländern

Südtirol: 495.000 = 0,82 % von I, 5,96 % von A = Rang 6 von 10

Gesamttirol (ohne Trentino): 1.200.000 = 6,91 % von A = Rang 4 in A

(da die Steiermark bevölkerungsmäßig stagniert, würde Tirol diese bald überflügeln, derzeit leben in der Stmk auch ca. 1,2 Mio Menschen)

Fläche

Tirol: 12.648 km2 = 15 % von A = Rang 3 von 9

Südtirol: 7.400 km2 = 2,45 % von I, 8,8 % von A = Rang 6 von 10

Gesamttirol: 20.048 km2 = 23,8 % von A = Rang 1 von 9

Bei der Fläche würde Gesamttirol zum größten österreichischen Bundesland aufsteigen !

Sprachgruppen/Prozente

Südtirol: 70 % deutsch (346.500 Ew), 25 % italienisch (124.000), 5 % ladinisch (25.000)

Gesamttirol: 87,2 % deutsch, 10,3 % italienisch, 2,5 % ladinisch

Südtirol: 0,57 % deutschsprachig in I

Österreich: 1,49 % italienisch, 0,3 % ladinisch

Resumeé:

O.a. Daten haben natürlich nichts mit Wirtschaft/BiP/Steuern etc. zu tun. Das ist etwas für Ökonomen. Interessant wäre es schon. Vielleicht findet sich jemand, der diesen Vergleich mit passenden Zahlen/Fakten/Daten ergänzen kann ?

Da dieses Szenario ja schon sehr statistisch ist und mit Politik nicht wirklich was zu tun hat, nun noch ein politisches Statement dazu:

Bei einer eventuellen Streitfrage über die Landeshauptstadt könnte ich mir vorstellen, die Sommerhauptstadt in Innsbruck, die Winterhauptstadt in Bozen (wegen des Klimas) zu etablieren oder alle 5 Jahre zu wechseln.

Bei Streitereien von BZ und IBK freut sich die dritte, die alte und wahre Hauptstadt: Meran !!

Spaß beiseite: Mich würde schon interessieren, was Sie/Ihr davon halten/hält.

Für alle italienischsprachigen in diesem Forum: Ihre/Eure Sprache verstehe ich leider nicht, bei Interesse bitte übersetzen lassen und mir auf deutsch antworten, danke !

Noch einen schönen Tag nach Tirol wünscht

Ottokar König, Wien

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Verherlichter Faschismus....
@Lieber ff: Wenn es die Pflicht eines Staates ist, warum tut er dies nicht? Nehmen wir das Beispiel Bozen/Bolzano/Bulsan, oder noch besser, oder Wolkenstein/Selva oder Meran/Merano, oder Sterzing/Vipiteno (Sterzen)oder Franzenfeste/Fortezza usw...,
Bitte sag mir ff was ist hier faschistis? Es gibt sicher Sachen die sind nicht okay, aber wie würdest du diese Namen anders übersetzen? E gruess...

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Die Südtiroler Tolomeis
Dieses Beispiel zeigt es wieder ein mal.
Die Südtiroler selber sind die fleißigsten Bewahrer und Förderer von Tolomeis Fälschungen.
Niemand verbietet uns heute, auch in Gesprächen und im Schriftverkehr mit den Italienern, ausschließlich die uralten deutschen Ortsnamen zu verwenden.

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achim.baden-württemberg

Exonyme usw.
Wer bei uns einmal mit dem ICE gefahren ist, kennt diese Durchsagen: We now reach BÖRLIN / FRÄÄÄNKFURT central station.

Besser ?

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Verherrlichter Faschismus
@Doppelbürger
Das Problem ist, dass man die Verbrechen des Faschismuses damit kultiviert und verherrlicht.
Tolomeis erfundene Namen sind rassistisch und nationalistisch.
Die erste Pflicht des Staates oder Landes muss es sein, diese Fälschungen sofort abzuschaffen.

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Halfing..
@H, ks und va. Markus A.
wo liegt das Problem, wenn ein Verein dies tut, klar zweisprachig ist besser und wäre Pflicht. Aber die Bergrettung und die Feuerwehr etc... ist das auch Pflicht? Apropos Oschtia.., le mo ver tlo..

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Kulturelle Selbstaufgabe
"Nein wir verkaufen unsre (Südtiroler) Seele nicht für eine Flasche Wein, bei unsrer schönen Seele muss es schon ein Weinfass sein!" (oder eine Fußballmannschaft, oder was die SVP alles einkassiert...)

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Ehrlichkeit und Mut zur Wahrheit!
Kann man den Italienern Hafling nicht zumuten?
Fehlt den Tourismusverbänden der Mut zur Wahrheit?

Auch die Tourismusverbände in Südtirol sollten sich überlegen mit was sie Gäste werben.
Mit falschen Namen und historischen und ethnischen Lügen ist keinem gedient.

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Transparent
Sehr geehrter Herr Knoll,

das Transparent ist für den Zeitraum vom 17. Juli bis zum 09. August 2008 zur Begrüßung der Fussballmanschaft "Grosseto" angbracht worden, und einzig für diese Aktion, und nicht als Willkommensgruß am Ortseingang. Anbei ist der Name Hafling 2 x angebracht und 1 x Südtriol.
Es herscht ja schon Wahlkampfieber, und anbei vielen Dank für das abgebildete Foto, wieder eine kostenlose Werbung.
Gruß Luis

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des woren sicho die foschischten...;o)))) oschtia seitas kindisch!!

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Profit
Für noch mehr Geld würden viele Südtiroler sogar ihre Seele verkaufen nicht nur ihre Sprache und Kultur, siehe unsere Lebensmittelproduzenten wie BRIMI, MILA, Sterzinger Milchhof und viele mehr.

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Einfach nur zum Schämen
Wieder einmal eine Aktion der ganz besonders altoatesinischen Art. Eigentlich kann man nur den Kopf schütteln. Doch wen wundert's? Der Ober-Altoatesine Boscosecco macht es ja tagtäglich vor: "Benvenuti in Alto Adige", "qualità Alto Adige". Sogar die Europaregion Tirol heißt offiziell "Tirol - Südtirol - Alto Adige - Trentino", unterstreicht also das Trennende statt das Verbindende!

Soviel Paradoxie und Mitläufertum finde ich einfach nur zum Schämen. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?

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Süd-Tirol oder Sud-Tirolo
Genau so ist es. Sehr viele Italiener, die ich bis jetzt überall kennenlernen durfte, meinen, dass so gut wie deutschsprachige Land "Alto Adige non é Italia", oder "Süd-Tirol ist nicht Italien". Wenn man dann darauf entgegnet, aber dieses Land gehört doch offiziell zu Italien, dann sagen sie, aber die meisten Menschen in diesem Land sind keine Italiener und sprechen eine andere nicht italienische Muttersprache und gehören kulturell und ethnisch zu einem anderen Land nämlich zu Tirol und Österreich. Gerade das macht die AP Bozen so interessant für alle Italiener als Touristen, nicht das Potemkinsche Konstrukt der seinerzeit erfundenen und erzwungenen sowie heute mit äusserster Mühe zu erhaltenden Italianità. Wäre einmal diesem Staat gelungen aus Süd-Tirol de facto auch Alto Adige zu machen, würden wahrscheinlich die Zahlen der Gäste im Fremdenverkehr sehr stark zurückgehen. Die Fachleute im Tourismus müssen ein Brett vor dem Kopf haben, wenn sie das justament nicht erkennen wollen oder von oben gewollt nicht erkennen dürfen. Im italienischsprachigen Tessin in der Schweiz täuscht man auch nicht seit fast 90 Jahren wie in Süd-Tirol eine andere deutsche oder französische sprachliche und kulturelle Identität des Landes vor. Das ist auch in der alten Zeit als die Italiener in Tirol eine Minderheit waren vor 1918 nie vorgekommen, als im Trentino d.h. Welsch-Tirol, wo Italienisch gesprochen wird, auch einmal zu Alt-Österreich gehörte. So lange der Gebrauch der Deutschen Muttersprache in Süd-Tirol immer noch nicht selbstverständlich ist, muss man sich dieses Recht tagtäglich in diesem Staat der Fremdbestimmung erkämpfen und die andere Seite darf sich daher nicht wundern, dass dieser Sprachenstreit ohne Ende fortgesetzt wird.