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Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung: Kosovo hat sich unabhängig erklärt: Wann folgt Süd-Tirol?

pressekonferenz_selbstbestimmung.jpgDie jüngsten politischen Entwicklungen in Europa haben gezeigt, dass  vom Fall der Berliner Mauer und der erfolgten Wiedervereinigung Deutschlands bis hin zu den Volksabstimmungen in Slowenien und Montenegro, fremdbestimmte Völker durch Selbstbestimmung und in völligem Frieden ihre Freiheit wiedererlangt haben.

Mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo hat sich ein weiteres Mal das Freiheitsbestreben eines Volkes gegen alle Widerstände seinen Weg gebahnt und damit einen völkerrechtlichen Präzedenzfall geschaffen, bei dem das Recht einer Region und deren Mehrheitsbevölkerung auf eine selbstbestimmte und freie Zukunft über das Prinzip der Unverletzlichkeit der staatlichen Integrität gestellt wird. 

Entgegen aller „Expertenmeinungen" kam es nicht nur zur Abspaltung einer Region, die bisher als legitim-serbisches Territorium betrachtet wurde, sondern damit auch zu einer Grenzverschiebung in Europa, die immer wieder als unmöglich bezeichnet wurde.

Die Tatsache, dass die Abspaltung des Kosovo von Serbien nicht nur von den Vereinigten Staaten von Amerika und fast allen EU-Mitgliedern, sondern vor allem auch von Italien sofort und bedingungslos anerkannt wurde, stellt auch für Süd-Tirol völlig neue politische Perspektiven für eine von Italien unabhängige Zukunft in Aussicht. 

Wenn dem Kosovo das Recht auf Sezession zugesprochen wurde, obgleich das Gebiet historisch mit Serbien zu assoziieren ist, muss dieses Recht auf Sezession erst recht für Süd-Tirol gelten, auf welches Italien weder historisch noch kulturell ein Anrecht geltend machen kann, und dessen Annexion 1920 mit Gewalt und vor allem gegen den ausdrücklichen Willen der Bevölkerung erfolgte! 

Süd-Tirol bietet sich mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Selbstbestimmungsgesetzentwurf von Francesco Cossiga, ein weiteres Mal eine historische Sternstunde, die nicht wieder ungenützt bleiben darf. 

Von führenden Persönlichkeiten der österreichischen Bundespolitik wurde bereits verlautbart, dass man nicht umhin käme, die Abspaltung Süd-Tirols von Italien im selben Maße zu unterstützen wie jene des Kosovo, wenn der Süd-Tiroler Landtag einen diesbezüglichen Beschluss fasste.

Die ARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTBESTIMMUNG fordert daher den Südtiroler Landtag auf, dem Beispiel Kosovos zu folgen. Sie legt einen  Antrag vor, welchen die Abgeordneten Dr. Eva Klotz und Pius Leitner in jenen Beschlussantrag einfließen lassen, welcher bereits auf der Tagesordnung des Süd-Tiroler Landtags steht und von der Abgeordneten Eva Klotz im Oktober 2007 eingebracht worden war. Darin werden konkrete Maßnahmen für eine Zukunft Süd-Tirols ohne Italien vorgesehen. 

Die Süd-Tiroler Bevölkerung soll in freier und demokratischer Abstimmung über die politische Zukunft des Landes entscheiden.

Insbesondere im Hinblick auf das 200jährige Jubiläum der Tiroler Erhebung soll das Freiheitsjahr 2009 nicht nur zum Feiern, sondern zu konkreten politischen Handlungen genützt werden, mit welchen die Weichen für eine freie und unabhängige Zukunft gestellt werden. 

Die ARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTEBSTIMMUNG erwartet sich die Zustimmung der „Südtiroler Volkspartei" zu diesem Entschließungsantrag im Landtag, da man die Abgeordneten bei ihrem Wort nehmen und daran erinnern wird, dass sowohl der Landeshauptmann von Süd-Tirol, Dr. Luis Durnwalder, als auch alle deutschsprachigen Landtagsabgeordneten, alle SVP-Parlamentarier in Rom und in Brüssel, fast alle Bürgermeister, sowie die Obleute führender Süd-Tiroler Verbände und Vereine, eine Petition unterschrieben haben, in der sie sich für das unveräußerliche Recht auf Selbstbestimmung aussprechen und die Verankerung desselben sogar in der neuen österreichischen Bundesverfassung fordern. 

Die Unabhängigkeit des Kosovos hat gezeigt, dass es möglich ist, sich von den Banden einer auferlegten staatlichen Fremdbestimmung zu befreien und dass der Freiheitswillen in der ganzen Welt verständnisvoll und wohlwollend aufgenommen wird, wenn das Volk und dessen Führung voll dahinter stehen. 

Für Süd-Tirol ist auch die Zeit gekommen, nicht mehr angstvoll nach Rom zu schielen, sondern den Blick nach vorne, in eine selbstbestimmte und von Italien unabhängige Zukunft zu richten. 

Sven Knoll
Sprecher der
ARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTBESTIMMUNG

Mitglieder derARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTBESTIMMUNG:
Sepp Mitterhofer / Sven Knoll / L.Abg. Dr. Eva Klotz / L.Abg. Pius Leitner/ Oswald Ellecosta/ Dr. Egon Kühebacher / Paul Bacher / Peter Ploner / Dr. Luis Zingerle / Roland Lang

 

 


Entschließungsantrag
Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes in Süd-Tirol

In Süd-Tirol liegt die Wiege des Landes Tirol, welches über Jahrhunderte eine geistige, kulturelle und politische Einheit bildete.

Hier lebte das Volk frei und unabhängig, bis in der Folge des 1. Weltkrieges, willkürlich eine Unrechtsgrenze mitten durch das Land gezogen und Tirol somit in 3 Teile geteilt wurde.
Süd-Tirol, das nie zuvor zu Italien gehört hatte und dessen Sprache und Kultur nicht italienisch waren, wurde gegen den Willen der Bevölkerung von Italien annektiert und in der Folge immer wieder Opfer einer staatlich geförderten Assimilierungs- und Italienisierungspolitik.

Ähnlich wie Süd-Tirol erging es auch anderen Ländern und Minderheiten. Die Ausbeutung der ehemaligen Kolonialgebiete, die Teilung Deutschlands, die Unterdrückung der Basken und Katalanen, oder die repressive Politik im einstigen Bund jugoslawischer Staaten, sind dabei nur einige Beispiele aufoktroyierter Fremdbestimmung und staatlicher Unterdrückung.

Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass die Fremdbestimmung von Völkern und Regionen, auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten ist und sich letztlich der Freiheitsdrang durchsetzt.

Bereits in der Atlantikcharta von 1941 wurde festgelegt, dass „Annexionen fremder Territorien als ungültig bezeichnet werden, solange nicht der Überwechsel zum neuen Staat von der Bevölkerung des eroberten Gebietes bejaht wird.“

Dieses Recht auf Selbstbestimmung wurde dann in der Generalversammlung der UNO von 1966, in Artikel 1 der Menschenrechtspakte festgelegt.

Italien hat vor genau 30 Jahren, am 25. Oktober 1977, mit Gesetz Nr. 881 die UNO- Menschenrechtspakte ratifiziert und damit zu geltendem staatlichem Recht erklärt. Art. 1 besagt: "Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechtes entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung."

Seitdem Italien die Menschenrechtspakte als rechtliche Verbindlichkeit festgeschrieben hat, kann Süd-Tirol die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes konkret einfordern. Diesbezügliche Schritte sind bis heute von Seiten der offiziellen Süd-Tiroler Politik jedoch nicht eingeleitet worden, wohl aber hat der frühere italienische Staatspräsident Francesco Cossiga die Initiative ergriffen.

Zu verweisen ist auf die Entwicklung in anderen europäischen Ländern, wo die Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes zu Normalität geführt hat und endlich zu Befriedung führen soll: Slowenien und Montenegro sind Kraft Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes zu unabhängigen Staaten mit aufstrebender Wirtschaft geworden. Der Landeshauptmann des Baskenlandes hat kürzlich einen konkreten Zeitplan zur Abhaltung des entsprechenden Referendums vorgestellt. Schottland ist auf dem Wege zur Unabhängigkeit; Wales plant für das Jahr 2011 ein Unabhängigkeits- Referendum, wie es Katalonien für 2014 anstrebt.

Die gewählten Volksvertreter und Parlamente dieser Länder setzen seit Jahren konkrete politische Schritte zur Einleitung der Abstimmungen, mit dem Ziel, im Sinne der UNO – Menschenrechtspakte endlich frei den politischen Status für die eigene Zukunft wählen zu können. Die regierenden Parteien in diesen Ländern machen sich zu überzeugten Fürsprechern der Freiheit ihrer Völker.
Mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, am 17. Februar 2008, hat sich ein weiteres Mal das Freiheitsbestreben und somit das Recht eines Volkes, selbst über die eigene Zukunft zu entscheiden, über alle Widerstände hinweggesetzt. Mehr noch, wurde durch die sofortige Anerkennung der einseitigen Unabhängigkeitserklärung durch die meisten Staaten, damit auch das Recht auf Sezession über die Unantastbarkeit der staatlichen Integrität gestellt und somit international anerkannt. Auch Italien hat dem sofort und bedingungslos zugestimmt.
Wenn dem Kosovo international das Recht auf Sezession zugesprochen wurde, obgleich das Gebiet historisch mit Serbien zu assoziieren ist, so muss dieses Recht auf Sezession erst recht für Süd-Tirol gelten, auf welches Italien weder historisch, noch kulturell ein Anrecht geltend machen kann, und dessen Annexion 1920 mit Gewalt und vor allem gegen den ausdrücklichen Willen der Bevölkerung erfolgte!

Süd-Tirol sollte sich ein Beispiel an diesen Ländern nehmen und die nächsten Jahre, aber vor allem die politische Dynamik des Gedenkjahres 2009, konsequent für die Selbstbestimmung nutzen. Die Zeit dafür ist in Süd-Tirol längst reif, und immer mehr Süd-Tiroler sind davon überzeugt, dass sie im Staat Italien keine Zukunft haben!

Deshalb bezeichnet der Süd-Tiroler Landtag, in Berufung auf die Atlantikcharta von 1941, die Annexion fremder Territorien, die gegen den Willen der angestammten Bevölkerung erfolgen, als unrechtmäßig.

Der Süd-Tiroler Landtag bekennt sich zum Selbstbestimmungsrecht der Völker und befürwortet die Abhaltung eines Referendums im Sinne von Art. 1 der UNO- Menschenrechtspakte in Süd-Tirol.

Er beauftragt den Landeshauptmann, einen genauen Zeit- und Aktionsplan für die Durchführung der dazu notwendigen Schritte zu erstellen und diese konkret einzuleiten.

28. Februar 2008

Lt. Abg. Dr. Eva Klotz

Lt. Abg. Pius Leitner

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Freiheit für Süd-Tirol
Freiheit für die Süd-Tiroler heisst:

Frei von Italien
Frei von 90 Jahre Fremdbestimmung
Frei von erfundenen Ortsnamen
Frei von faschistischen Kultstätten und Lügengemäuern
Frei von italienischer Polizei und italienischem Fahnenzwang
Frei vom Zwang, sich mit einer fremden Nationalität identifizeren zu müssen
Frei von Autonmie, Ersatzrechten und – zugeständnissen
Frei von der Brennergrenze, die Tirol teilt und Süd-Tirol vom deutschen Sprachraum trennt
Frei für das Zusammenwachsen Tirols
Frei für die wirkliche Selbstbestimmung

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Eine historische Stunde f.ST
Es ist wahrlich wieder eine historische Stunde für die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler in der AP Bozen in Italien. Ab dieser Erklärung wird man eine rechtliche Grundlage vor der Welt vorweisen können, mit der man das Selbstbestimmungsrecht für Süd-Tiroler national und international einfordern wird können. Sollte noch irgendwann die SVP als die grösste Partei des Landes dazu stossen und einen "Selbstbestimmunghandlungsbedarf" im Falle der Bedrohung der Autonomie ausrufen und ebenfalls die Ziele dieses Entschließungsantrages zu Selbstbestimmung des Landes nachhaltig unterstützen, dann wird nichts mehr in der Welt die Süd-Tiroler als Land und Volk auf ihrem Weg aufhalten können. Das Recht auf Selbstbestimmung ist ein erstes und wichtigstes Menschenrecht. Das, was für andere Völker in Europa in ähnlichen Fragen recht und billig war und ist, das müsste erst recht ohne Wenn und Aber gerade für alle Länder der Europäischen Union gelten. Sollte die Politik der Süd-Tiroler ihre ganze Kraft und Elan in dieses Ziel der Verwirklichung der so lange aufgeschobenen Selbstbestimmung investieren wollen, wird sich auch das Vaterland Österreich nicht verweigern können und den eigenen Landsleuten in Tirol südlich des Brenners nach Kräften auch helfen wollen. Italien wird ganz sicher nicht darauf so reagieren, wie seinerzeit in Süd-Tirol noch in den 60er Jahren, oder wie Serbien im Kosovo Ende der 90er Jahre. Das würde Italien den Rest der politischen Glaubwürdigkeit in dieser Frage national und international kosten. Diese Zeiten sind längst vorbei, vorausgesetzt die Selbstbestimmung bleibt zu jedem Zeitpunkt transparent und begründet und zu 100% friedlich und demokratisch legitiemiert. Daher gibt überall Acht auf Provokationen aller Art und lasst euch von den Gegenern der Selbstbestimmung nichts aus Unachtsamkeit unterschieben, vor allem nicht von angeblichen extremen Rechten, wohl Agenten der Fremdbestimmung unterwandern! Das kennen wir bereits ausreichend aus der Geschichte, wo sogar unabhängigge italienische Geschichtswissenschafter darauf immer wieder in diesem Zusammenhang in ihren Fachpublikationen hinweisen. Auch das kann man ganz deutlich aus allen den gelungenen Selbstbestimmungen der letzten Jahrzehnte in Europa deutlich ablesen: nur eine friedliche und demokratische Selbstbestimmung kann überhaupt Chancen auf Erfolg haben und Symphatie in der Völkergemeinschaft gewinnen. Niemand weiss heute, ob dieser Weg der süd-tiroler Selbstbestimmung nur ein Jahr oder Jahrzehnte noch dauern wird, aber man sollte endlich den ersten Schritt in diese Richtung setzen und zwar geschlossen als Volk und Land Süd-Tirol. Die Selbstbestimmung als Ideal und politisches Ziel der Parteien der Autonomie kann nur davon profitieren, in erster Linie als unentbehrliche Orientierungshilfe für Generationen von Tirolern südlich des Brenners und darüber hinaus bei den Landsleuten im Bundesland Tirol und in ganz Österreich. Man darf sich auch dabei mit Recht eine gewisse Unterstützung auch aus dem Rest der deutschsprachigen Länder erwarten, da wir alle der einen "Deutschen Kulturnation" angehören. Letztenendes kommt es bei der Selbstbestimmung nur darauf an, dass man als fremdbestimmtes Volk über Jahrzehnte den längeren Atem beweist und das Ziel der Wiederherstellung der Landeseinheit nie aus dem Sinn und aus den Augen verliert. Das politische und diplomatische Geschick der Elite einer fremdbestimmten Ethnie ist da auch von grosser Bedeutung. Das hat bis jetzt über 60 Jahre lang die Sammelpartei der Süd-Tiroler die SVP in den Autonomiefragen auch sehr gut bewiesen. Jetzt gilt es für alle Befürworter der Selbstbestimmung die nächste Stufe dieser Autonomie zu erklimmen, nämlich die Klärung der Selbstbestimmungfrage der AP Bozen Südtirol in und von Italien. Das scheint nur auf einem Weg eines Referendums möglich zu sein, auch wenn der Ausgang noch ungewiss ist. Bei allen Bemühungen um Anerkennung des Menschenrechtes der eigenen Selbstbestimmung von Rom darf man eines nicht vergessen, wir leben in der Europäischen Union und Italien muss sich an die demokratischen Spielregeln dieser Gemeinschaft wie alle anderen Staaten auch halten, sonst schlittert dieses Land in demokratiepolitische Glaubwürdigkeitskonflikte innen und aussenpolitisch ungeahnten Ausmasses. Dabei steht sogar die Einheit Italiens als ein Land auf dem Spiel. Das, was man für Tirol als patriotisch gesinnter Mensch sich wünscht, nämlich die Wiederherstellung der alten Landeseinheit des deutschsprachigen Teiles, das gilt auch für Italien, nämlich die Klärung der Selbstbestimmungsfrage in Süd-Tirol ja, aber keine Fragmentisierung der Republik Italien in mehrere Kleinstaaten als direkte Folge der süd-tiroler Selbstbestimmung in und von Italien. Diesem Land darf man wenn schon, dann vieleicht eine neue und erfolgversprechende föderale politische Struktur der Zukunft wünschen, wie z.B. in Österreich oder in der Schweiz, damit die erfolgreichen Regionen für ihren Erfolg nicht ewig aus Rom "bestraft" werden, indem sie exorbitante Abgaben im Finanzausgleich mit Mezzogiorno immer leisten müssen. Was Italien schon heute aber bereits bald ohne weitere Probleme politisch möglich machen könnte, das wäre eine Landeseinheit zwischen Süd, Ost und Nord-Tirol in zwei EU-Staaten Italien und Österreich. Die heutige Haltung Roms wird als eine sog. "beati posidentes" Position in Diplomatenkreisen angesehen, d.h. in Rom ist man der Meinung, man hätte Alto Adige mit diplomatischen Tricks seinerzeit nach dem Zerfall der Österr. Monarchie ohne Abhaltung schon damals verpflichtenden Referendums über die Frage der nationalen Zugehörigkeit des Landes damals so gut wie ohne Italiener 1918 "erobert", und nachdem dies von der Völkergemeinschaft auch später so anerkannt worden ist, darf man dieses Land heute behalten, ohne dabei schlechtes Gewissen dabei zu haben, falls das überhaupt eine eigenständige Kategorie des politischen Handelns wäre. Das war vieleicht bis zu Jahrtausendwende vor acht Jahren so, heute haben sich die politischen Gewichte nicht nur in der zivilisierten Welt in dieser Frage eindeutig zugunsten der Selbstbestimmung der Völker verschoben. In der EU ist das eher unvorstellbar, dass man auf eine Selbstbestimmung so reagieren kann wie das anderswo in Ost-Europa früher vor 1999 geschehen ist, oder in Süd-Tirol noch in den 60-er Jahren. Daher hat diesmal diese heutige Selbstbestimmung der Süd-Tiroler die besten Aussichten auf Erfolg, vorausgesetzt die Bevölkerung steht auch dahinter und will weiterhin die Klärung der Selbstbestimmungfrage z.B. in einem Referendum oder Volksbefragung auch passiv oder aktiv unterstützen. Das Jubiläumsjahr 2009 wäre die beste Gelegenheit dazu, so eine Abstimmung in Süd-Tirol abzuhalten. Erst dadurch würde man eine wertvolle Orientierungshilfe bekommen, wie es um die Selbstbestimmung heute und morgen in diesem Land wirklich bestellt ist. Würden die Befürworter der Selbstbestimmung dieses Referendum auch gewinnen, was nicht sicher ist, dann würde wahrscheinlich Rom sich mit dem Resultat nicht abfinden wollen, aber das würde ganz sicher weitere Schritte in Richtung der Selbstbestimmung erleichtern und sogar einmal die uneingeschränkte Landeseinheit zwischen den heute geteilten Landesteilen in Tirol wieder möglich machen. Kein Land und kein Volk darf auf die Dauer ohne Zeitlimit die Selbstbestimmung einem fremdbestimmten kleineren Volk verweigern. Vorausgesetzt natürlich, dieses Volk kämpft politisch um dieses Recht mit erlaubten friedlichen und demokratischen Mitteln. Die Voraussetzungen gerade in Süd-Tirol sind sogar sehr günstig, die AP Bozen Südtirol ist ein eigenes Land mit einem eigenem "Staatsvolk", ein Subjekt des Völkerrechtes definiert im Pariser Abkommen von 1946, wo Italien sich ausdrücklich dazu verpflichtt hat, alle Streitfragen mit der Schutzmacht der süd-tiroler Interessen Österreich im Einvernehmen vor der UNO zu klären, und sich an die Entscheidungen der UNO in dieser Frage der Auslegung der Autonomie bis hin zu Selbstbestimmung auch ohne Wenn und Aber zu halten. Das ist auch das einmalige an der heutigen Situation der Selbstbestimmung Süd-Tirols, dass dies keine ausschließlich inneritalienische staatliche
Angelegenheit war und ist. Das ist auch in den 60er Jahren unter Aussenminister und späteren österreichischehn BK Bruno Kreisky auch so gewesen und so geschehen, wo Italien dazu von der UNO verpflichtert worden ist, die 1946 versprochene Autonomie auch praktisch umzusetzen. Dafür brauchte Italien bekanntlich mehr als 40 Jahre bis 1992, und dazu immer noch halbherzig und unvollständig. Die nationalen Staatsgrenzen können ohne Beschluss des Sicherheitsrates der UNO gegen den Willen eines Mitgliedslandes nicht einseitig geändert werden. Italien kann sich daher der Selbstbestimmung Süd-Tirols weiterhin verweigern, in welchem Licht dieses Land aber international stehen würde, wenn man diesen historisch begründeten Wunsch weiterhin ablehnen würde, das kann man sich auch leicht vorstellen, aber da ist man als unabhängiger Beobachter gerade in der Frage der süd-tiroler Selbstbestimmung von Italien einiges gewohnt. Heute findet die Selbstbestimmung überall in ganz Europa und in der EU selbst statt, nicht nur in Süd-Tirol, sondern in Schottland, genauso wie in Katalanien, im Baskenland, Flandern oder sogar auf der geteilten Insel Zypern. Es sind alles EU-Länder oder Regionen, die davon betroffen sind. Wird eine von diesen Selbstbestimmungen in der EU selbst einmal einer Autonomie gelingen, wird man weitere wahrscheinlich nicht mehr als Folge aufhalten können, vieleicht nur noch verzögern. In Rom könnte man daher langsam zu nachdenken beginnen, welches Erbe überhaupt diese lange italienische Zeit der Fremdbestimmung in Alto Adige bei den Süd-Tiroler hinterlassen wird, und damit beginnen, die noch verbliebene Zeit für einen konstruktiveren Umgang mit der Selbstbestimmung zu nutzen. An einer Eskalierung dieser Frage kann und darf es niemand liegen, an der Klärung der Selbstbestimmung als solche aber schon, da dies in allen Parteistatuten der süd-tiroler Parteien ausdrücklich erwähnt wird. Wenn aber der italienische Berg in Rom einmal kreissen sollte und eine Maus an Resultaten gebären wird, dann kann man sich diese Mühe von Anfang an ersparen. Wer heute die aktuellen Selbstbestimmungen auch in West-Europa nicht verstehen will, der hat die neuen demokratischen Zeiten und die modernen Standards der Demokratie in Europa nicht verstanden, und den bestraft das Leben, wie das seinerzeit in Hinblick aud die Deutsche Einheit einige Wochen vor dem Fall der Berliner Mauer 1989 ein grosser russischer Politiker einmal gesagt hat. Was folgte, war die Selbstbestimmung eines fremdbestimmten Volkes und eine Wiedervereinigung eines geteilten Landes mit besten Wünschen vom Rest der Welt und einem Segen für die Zukunft von den Grossmächten dieser Welt. Auch bei der Selbstbestimmung der AP Bozen Südtirol geht es um ähnliche Ziele, wenn auch in einem viel kleineren Maßstab und dazu in einer demokratisch verfassten Gemeinschaft der Menschenrechte der freien und selbstbestimmten Völker der Europäischen Union.

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Süd-Tiroler Selbstbestimmung!
Sg. Frau Dr. Klotz, sg. Herr Leitner!
Endlich finden sich mutige und engagierte Politiker für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes in Süd-Tirol. Hochachtung vor eurer Courage. Unverständlich ist ohnehin die Haltung der einst so tapfer und mutig kämpfenden SVP. Wir im Vaterland Österreich verfolgen ganz genau die Entwicklung in Süd-Tirol, denn für uns ist dieses schöne Land immer eine offene Wunde geblieben. Nun endlich zeigen Politker euren Formats einmal Mut, das historische Unrecht endlich aufzuarbeiten. Sollte es tatsächlich zu einer Abstimmung in Süd-Tirol kommen, Österreich würde euch mit offenen Armen und Herzen empfangen und willkommen zu Hause heißen, sollte dies die Süd-Tiroler Bevölkerung so wünschen. Nur glaube ich nicht, daß die SVP einem solchen Antrag zustimmen wird - leider! Sie hat leider ihre Prinzipien längst aufgegeben. Ich hätte auch einen Vorschlag, welchen Sie sicher schon diskutiert haben, aber der leider bis jetzt nicht in die Tat umgesetzt wurde. Bildet doch eine Wahlplattform bestehend aus Freiheitlichen, Union und Süd-Tiroler Freiheit und setzt euch gemeinsam ein für den Wunsch nach Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes. Eure Chancen würden sich wesentlich erhöhen, als getrennt für die gleiche Sache zu kämpfen. Stellt doch bitte persönliche Differenzen in den Hintergrund und kämpft gemeinsam und geschlossen für die Sache der Freiheit. Ein altes Sprichwort besagt, nur gemeinsam sind wir stark. Und auch nur so könnte ein Umdenken in der so mächtigen SVP, die gemeinsam mit Österreich so viel für Süd-Tirol erreicht hat, einsetzen. Dann könntet ihr die SVP bei der Landtagswahl im Herbst sicher unter die Absolute drücken und die so selbstherrlichen Männer in der SVP würden wirklich wachgerüttelt werden. Die Initiative für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes muß von euch ausgehen. Und nur ihr habt diesen Mut dazu, im Gegensatz zu anderen. Wir unterstützen euch dabei mit allem was wir können. Also seid bitte einig, einig, einig, einig und kämpft gemeinsam und geschlossen für Süd-Tirols Freiheit. Die Chance dazu besteht und vor allem sie besteht jetzt. Liebe Grüße nach Süd-Tirol aus Österreich.